1.0 Gesamtkonzept Zoologischer Stadtgarten
Der Entwurf orientiert sich an den Qualitäten des denkmalgeschützten Stadtgartens als einem bedeutenden Zeugnis für die Gartenkunst aus den 60er Jahren. Die vorgeschlagene Konzeption begegnet dem Bestand mit Respekt und interpretiert diesen durch die nunmehr hinzukommenden baulichen und freiraumplanerischen Maßnahmen auf zeitgemäße Art neu. Die bestehende, in Form von Waben angelegte Erschließungsstruktur wird fortgeführt, das Wegenetz zwischen Zoo und Stadtgarten besucherfreundlich erweitert.
Die „Große Wiese“ östlich des Stadtgartens bleibt von den aktuellen Maßnahmen unberührt und wird in seiner Großzügigkeit komplett erhalten. Das Dreieck des Sallenwäldchens, im Knickpunkt der Via Triumphalis gelegen, wird dem Zoo zugeschlagen. Hier setzt der Neubau des Elefantenhauses einen neuen städtebaulichen Akzent. Unter Miteinbeziehung des bestehenden Rücksprungs des ehemaligen Tullabades aus der Straßenflucht heraus entsteht zum neuen Elefantenhaus hin wie selbstverständlich eine großzügige öffentliche Freifläche als Auftakt für den neuen Eingang Ost des Zoologischen Stadtgartens.
Die Situation um das Kassenhäuschen im Bereich Eingang Süd wird behutsam erneuert, so dass auch die Wege- und Blickbeziehungen zum Lauterberg und östlich um die Anhöhe herum besser wahrgenommen werden können. Eine Sesselbahn könnte bequem und publikumswirksam vom Eingangsbereich auf den „Gipfel“ des Lauterbergs als einem für Karlsruhe einmaligen Aussichtspunkt führen.
Die Eingänge Nord und West werden entwurfl ich auf dezente Weise überarbeitet. Das prämierte Konzept für den Festplatz dient als Grundlage für die Neugestaltung des Eingangs Nord. Die im Bereich der Ettlinger Straße bestehende, wenig überzeugende Einfriedung des Zoologischen Gartens wird in Anlehnung an die Einfriedung der neuen Elefantenanlage und an den ansonsten schönen Bestand erneuert. Die Gartenhalle kann ohne Nachteile für den Zoologischen Stadtgarten bestehen bleiben. Aus städtebaulichen Gründen wird dennoch vorgeschlagen, die Gartenhalle mittelfristig zu entfernen: Die qualitätvollen Solitärbauten des Vierortbades und der Schwarzwaldhalle kommen dadurch wieder angemessen zur Geltung. Außerdem kann das an dieser Stelle freiwerdende Grundstück dem Zoologischen Stadtgarten als Erweiterungsfl äche zugeteilt werden.
2.0 Neugestaltung nordöstlicher Bereich
Das Planungsareal besteht aus dem ehemaligen Tullabad, der neuen Elefantenanlage und drei zusätzlichen Außenräumen, die in Anlehnung an die bestehende Erschließungsstruktur wabenförmig angelegt sind:
Die südliche Wabe enthält das Außengehege für die Elefantenherde, die nördlich anschließende den Lebensraum „Grassteppe“. Die folgende Wabe ist längsgeteilt und enthält Kinderspielplatz und Streichelzoo.
2.1 Lebensraum Elefanten
Die Anlage für die Elefantenherde ist zoospezifi sch und städtebaulich als besonderer Anziehungspunkt angelegt. Zur Ettlinger Straße hin wird eine räumlich wirksame, steinern strukturierte Kante ausgebildet, die als Teil der Fassade bzw. als Teil der Einfriedung des Zoologischen Stadtgartens U-förmig von der Zoobrücke aus um das Gebäude herum bis zum neuen Eingang Ost führt.
Im Gegensatz zur städtischen Erscheinung zur Ettlinger Straße hin, besitzt die Behausung für die Elefanten zum Zoologischen Stadtgarten hin die Anmutung eines offenen Pavillons mit vielfältigen Ein- und Ausblicksmöglichkeiten. Das charakteristische, über dem Innengehege zu schweben scheinende Dach ist in Abstimmung mit der jeweils notwendigen Raumhöhe als gefaltetes Volumen („Wolke“) ausgebildet. Es spreizt sich zum Freigehege hin auf: Innen- und Außengehege der Elefanten gehen somit nahtlos ineinander über.
Zum Eingang Ost hin entsteht durch das weit auskragende Vordach ein großzügig überdeckter Kassen- und Empfangsbereich. Die Abgrenzungen zwischen Mensch und Elefant sind natürlich, unauffällig und kaum wahrnehmbar ausgebildet. Um die imposanten Tiere entsprechend zur Geltung kommen zu lassen, ist der Blickbezug zu den Tieren grundsätzlich ebenerdig angelegt.
2.2 Umnutzung Tullabad
Dem qualitätvollen denkmalgeschützten Bestand wird mit einem respektvollen Umgang begegnet. Das Gebäude wird entsprechend der zukünftigen Nutzung von störenden Einbauten befreit, die vorhandenen Blick- und Wegebeziehungen werden besucherfreundlich auf vielfältige Art und Weise erweitert.
Die Halle beherbergt den Lebensraum südamerikanische Uferlandschaft mit Wasserflächen und hohen Bäumen („Urwald“). Die ehemalige Nutzung als Hallenbad bleibt dennoch spürbar: Die Uferlandschaft entwickelt sich innerhalb der Konturen des ehemaligen Schwimmbeckens, die von der Natur "überwuchert" werden. Die Riesenschildkröten sind mit direktem Zugang zum Außengehege in der ehemaligen Kinderschwimm-halle untergebracht.
Im Erdgeschoss des ehemaligen Tullabades befindet sich die Zooschule. Entlang des Flurs befi nden sich für die Besucher einsehbare Aquarien und Terrarien, die der pädagogischen Konzeption entsprechend angelegt sind.
Die Erschließung des oberen Geschosses ist als spannender und lehrreicher Rundweg sowohl für die Zooschüler als auch für alle anderen Besucher angelegt. Im Bereich der Halle sind die Volieren bei Bedarf von beiden Seiten einsehbar in die vorhandenen Tribünen integriert. Auf den Rängen kann man Ruhe fi nden und sich einen Überblick über den gesamten eindrucksvollen Innenraum und den schönen Baumbestand des Stadtgartens verschaffen.
Die Erlebnisgastronomie ist unabhängig von den Öffnungszeiten des Zoologischen Stadtgartens erschlossen. Sie befi ndet sich in einem auf den Konturen der bestehenden Terrasse angeordneten, luftig leicht in Erscheinung tretenden Anbau, dessen horizontal angelegte Dachebene sich aus dem Gesims des ehemaligen Tullabades heraus entwickelt. Durchsichtig und mit vielfältigen Sichtbeziehungen ausgestattet, befi ndet sich die Restauration mit Freiterrasse im Bereich des Eingangs Ost in unmittelbarer Nähe zum Spielplatz und zum Streichelzoo.
2.3 Lebensraum Grassteppe:
Trampeltiere und Kropfgazellen sind attraktiv in einem zentral gelegenen, mit der Elefantenanlage verschränkten Gehege angesiedelt. Die Abgrenzungen zwischen Mensch und Tier sind unauffällig und kaum wahrnehmbar ausgebildet. Um die Tiere entsprechend natürlich zur Geltung kommen zu lassen, ist der Blickbezug zu den Tieren ebenerdig angelegt.
In einem abstrakt-organisch gegliederten Baukörper zusammengefasst, befinden sich die zugeordneten Stallungen im rückwärtigen Bereich des Geheges.
2.4 Streichelzoo/ Kinderspielplatz
Die beiden Nutzungen befi nden sich, in einer über die Länge geteilten wabenförmigen Freifläche zusammengefasst, in unmittelbarer Nähe zur Gastronomie. Die Stallungen mit Wirtschaftshof sind zentral in einem abstrakt-organisch entwickelten Solitärgebäude untergebracht